Leichenfund im Bienenvolk
Beim Frühjahrsputz wird der Boden des Bienenvolkes gereinigt, das gehört sich so. Und manchmal liegen da nicht nur Wachskrümel oder abgebrochene Wabenstücke im Boden, sondern auch leicht gruselige Überreste von Lebewesen, die es in den Bienenstock rein, aber nicht mehr raus geschafft haben.
Diesmal war es keine Spitzmaus-Mumie, sondern ein riesenhaftes Insekt, das aber nur noch als Restleiche vorhanden war. Der komplette Hinterleib war weg, die Körperbehaarung war weg, so dass die Identifizierung auf den ersten Blick gar nicht so einfach war. Der Torso war vom Kopf bis zu den Flügelenden stattliche 6 cm lang, das Insekt hatte vier leicht abgespreizte Flügel, einen bulligen Kopf und Thorax, erwartungsgemäß 6 Beine und ein auffällig kräftiges und geradliniges Adergerüst in den Flügeln.
Imkerkollege Kerwagen hat nach Rückfrage bei einem Schmetterlingskundler aus Weigenheim den entscheidenden Hinweis geliefert. Es ist der legendäre und durchaus seltene Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos), der eine besondere Beziehung zu Bienen hat. Er hat sein Winterquartier in Afrika und kommt meist im Mai nach Mittel- und Südeuropa, wo er sich im Sommer vermehrt. Er liebt Honig und schafft es auf raffinierte Weise, in die Bienenvölker einzudringen und Honig zu fressen.
Der Totenkopfschwärmer produziert einen Duftmix, der dem Geruch im Bienenvolk ähnelt und schafft es so, dass er von den Bienen nicht als Fremdkörper wahrgenommen und attackiert wird. Er lebt also im Honig-Schlaraffenland. Zumindest eine Zeitlang scheint das gutzugehen. Warum dieses Exemplar dann doch gestorben ist? Keine Ahnung. Vielleicht haben ihn einige Bienen doch enttarnt und totgestochen, vielleicht war es im Herbst einfach zu kalt und er hat den rechtzeitigen Abflug nicht mehr geschafft. Lebende Totenkopfschwärmer haben noch mehr auf Lager. Sie können mit ihren Mundwerkzeugen pfeifende Geräusche erzeugen, vermutlich als Warnsignale an mögliche Fressfeinde.
Der Name Totenkopfschwärmer kommt von einer auffälligen Zeichnung auf dem Rückenschild, die einem bleichen Totenkopf ähnelt. Bei unserem Exemplar war davon aber nichts mehr übrig.
Funfact am Rande: Im Film Das Schweigen der Lämmer spielen die Totenkopfschwärmer eine wichtige Rolle.





